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Kurzer Überblick über die Geschichte des Südtiroler Kinderdorfes

Gründung und erste Schritte

Am 27. November 1955 begann, was sich bis heute kontinuierlich weiterentwickelt hat: Die Genossenschaft Südtiroler Kinderdorf wurde gegründet. Der zweite Weltkrieg hatte auch in Südtirol Spuren hinterlassen und viele Kinder blieben ohne Eltern oder nur mehr mit einem Elternteil zurück. Sie sollten im Kinderdorf ein Zuhause zu finden. Sebastian Ebner übernahm die Funktion des Obmannes, die er bis 1981 ausgeübt hat.

In den Jahren von 1956 bis 1966 wurden insgesamt 11 Wohnhäuser errichtet, in denen bis zu 110 Kinder untergebracht werden konnten.

1965 wurde ein Kindergarten eröffnet, den es mit Unterbrechungen bis heute im Dorf gibt. Nach einer Übergangsphase, in der nur mehr ein Teil der dort tätigen Mitarbeiter:innen vom Kinderdorf bezahlt wurde, ist der Kindergarten heute eine Einrichtung der Gemeinde Brixen, die unsere Räumlichkeiten gemietet hat

Beginnende Spezialisierungen

Die erste Jugendwohngemeinschaft wurde 1983 eröffnet. Heute führen wir insgesamt 3 Jugendwohngemeinschaften, die für bis zu 26 junge Menschen im Alter von 12 bzw. 14 bis 18 Jahren zur Verfügung stehen.

„Ich kam mit sechs Jahren ins Kin­derdorf. Vor allem gefiel mir, dass es so viele Kinder gab. (…) Der damalige Dorfleiter unterstütz­te weiterführende Schulbesuche nach der Mittelschule. So kam es, dass ich es bis auf die Universität nach Berlin schaffte. Man hört oft: „Ach, die armen Kinder, die ohne El­tern aufwachsen“. Aber ich habe es nicht so empfunden. Für mich war es eine gute Zeit.“


– W.N. ist Unternehmer in der IT-Branche. Er war von 1974-1986 im Südtiroler Kinderdorf.

1991 wird die Kinder- und Jugendfürsorge in Südtirol reformiert, wobei auch unsere Organisation die Akkreditierung zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen erhält. Damit beginnt eine Phase der beständigen professionellen Weiterentwicklung von Kinderdorffamilien hin zu sozialpädagogischen Wohngemeinschaften, die mit der Pensionierung von Elisabeth Thaler, der letzten Kinderdorfmutter im Südtiroler Kinderdorf, im Sommer 2021 einen vorläufigen Abschluss gefunden hat. 

Haus Rainegg, Therapie-Center und Betreutes Wohnen

1995 konnte nach einer zweijährigen Sanierungsarbeit die Tätigkeit im Haus Rainegg an der Mahr bei Brixen aufgenommen werden, wo alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern in bis zu 10 Wohnungen unterkommen können.

Im Jahr 1998 begann die Tätigkeit der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz, des Therapie Centers, die mit Ende des Jahres 2022 eingestellt wurde. Hier konnten Kinder und Jugendliche sowohl aus dem Kinderdorf als auch aus dem Raum Brixen und zum Teil weit darüber hinaus ergo-, psycho-, musik- bzw. reittherapeutische Unterstützung erfahren.

Ab dem Jahr 2000 wurde ein „Betreutes Wohnen“ eingerichtet, wo Jugendliche in ihrer Selbstständigkeit unterstützt und der Übergang in die Zeit nach dem Kinderdorf gestaltet wird. Mit spätestens 21 Jahren verlassen diese dann das Kinderdorf.

Mobile Familienarbeit

Mit 2007 erfolgte die Gründung der ambulanten Dienste – der heutigen „Mobilen Familienarbeit – MoFa“: Während anfänglich vor allem die Besuchsbegleitungen für Kinder und Jugendliche angeboten wurden, die im Kinderdorf lebten, werden heute vermehrt Familien in ihrem Umfeld betreut, deren Kinder zu Hause leben.

2011 startete der Treff.Familie als Vernetzungs- und Beratungsdienst für Familien seine Tätigkeit. Nach den Anfängen in Lana wurde Treff.Familie in Brixen verortet und stellt seine Dienste heute landesweit – vor allem aber im Burggrafenamt, Eisacktal und Wipptal – zur Verfügung. Im Rahmen des Reorganisationsprozesses seit dem Jahr 2021, wurde das Aufgabenfeld des Treff.Familie erweitert und der Dienst in Kido.IMPULS umbenannt.

Thalhofer und Gegenwart

Seit dem Jahr 2014 ergänzt der Thalhofer, ein achtsam renovierter alter landwirtschaftlicher Ansitz, unsere Angebotspalette. Die geschichtsträchtigen Räume eignen sich für Seminare und stilvolles Feiern.

Im Oktober 2020 erhielt unsere Organisation die heutige Rechtsform und wurde zu einer Sozialgenossenschaft.

Obmänner / Obfrauen bzw. Präsident:innen des Verwaltungsrates des Südtiroler Kinderdorfes

  • Sebastian Ebner (1955 - 1981)
  • Josef Rössler (1981 - 1990)
  • Franz Moser (1990)
  • Josef Rössler (1990 - 1992)
  • Heinrich Psaier (1992 - 2007)
  • Walter Mitterrutzner (2007 - 2019)
  • Sabina Frei (seit 2019)