20. November: Internationale Tag der Kinderrechte

Prävention ermöglicht Kinderschutz, besonders in Zeiten der Unsicherheit  

© 2019 Magnus CMSPlus

Kinderrechte schaffen die Voraussetzung dafür, dass Kinder ausreichend beschützt sind. Es gilt für jede Gesellschaft den Kindern Unversehrtheit, Förderung und Unterstützungen auch dann zu garantieren, wenn ihre Familien dazu nicht in der Lage sind. Kinderrechte einzuhalten, ist eine nicht verhandelbare Investition. Denn Kinder sind die Zukunft, aber sie sind zugleich das schwächste Glied unserer Gesellschaft. Ein klares Bekenntnis zum Kinderschutz braucht es daher auf allen Ebenen, auf der rechtlichen, der ökonomischen und der moralischen.

Dennoch haben viele Länder in Europa die Kinderrechte nicht in ihrer Verfassung aufgenommen. Es braucht deshalb gar nicht zu wundern, dass Kinder heute noch in Armut leben und sogar an Hunger und Verwahrlosung leiden. Auch mitten in Europa. Auch mitten unter uns.

Ja. Kinderrechte sind auch in unserem Land eine fragile Sache.

Krankheit in Familien, aber auch soziale Zerrüttung, wirtschaftliche Belastungen oder gar Arbeitslosigkeit zählen heute zu den größten Bedrohungen für Kinder und für die Wahrung ihrer Rechte.
Die Verletzung der Kinderrechte verläuft zumeist schleichend – und ist nicht immer sichtbar. Dem trug auch der letzte Landessozialplan 2007-2009 Rechnung, in dem Präventionsmaßnahmen zugunsten des Kindeswohls in Südtirol festgehalten wurden. Zumal: Südtirol hätte im Vergleich mit seinen Nachbarländern in puncto Präventionsmaßnahmen Nachholbedarf.

Doch in Zeiten, in denen gespart werden muss und in denen öffentliche Gelder umverteilt werden müssen, wird auch im Sozialwesen gekürzt. Die einst erklärte Absicht des Landes, vorbeugend wirksame Wege einzurichten, um Kinder vor Verletzungen ihrer Rechte, welcher Art auch immer, zu behüten, sind leider vom Sparkurs ernsthaft bedroht.

Das ist unserer Erfahrung nach der verkehrte Weg. Je größer die Unsicherheiten in den Familien sind, desto stärker geraten auch Kinder, ihre Rechte und ihr Schutz unter Druck. Ein tabuisierter Kreislauf, denn keine Familie sagt von sich aus offen: "In unserer Familie geht es gerade nicht so gut, bitte helft uns". Geld oder Transferleistungen sind häufig nicht ausreichend wirksam oder verfehlen ihr Ziel.

Dabei gibt es gut entwickelte Instrumente, um frühzeitig den "Dammbruch" einer in Not geratenen Familien zu verhindern. Ein Beispiel: Wir im Südtiroler Kinderdorf führen im Auftrag der Sozialdienste aufsuchende Familienarbeit durch, mit der wir Familien frühzeitig unterstützen und häufig vermeiden können, dass die familiäre Not zur Fremdunterbringung von Kindern führt. Wiewohl diese Ansätze auch hierzulande bekannt sind und eingesetzt werden, fallen gerade sie als Erstes dem Rotstift zum Opfer.
Langfristig ist aufsuchende Familienarbeit – wie alle präventiven Instrumente – wirtschaftlich die günstigste, pädagogisch die wertvollste, psychologisch die schonungsvollste Möglichkeit, Kindern zu ihren Rechten zu verhelfen. Denn damit wird verhindert, dass eine familiäre Krise voll zum Tragen kommt. Sobald hingegen der Zusammenbruch einer Familie manifest ist, braucht es hinterher viel mehr Hilfe, Unterstützung und Zuwendungen, die in den meisten Fällen die öffentliche Hand zu tragen hat. Den größten Schaden aber tragen in solchen Fällen die Kinder. Das gilt es zu verhindern.

Eine sehr ähnliches präventives Instrument sind unserer Frühen Hilfen: Sie setzen an, wenn junge Frauen und Männer – oft ohne familiäres Netz -  Eltern werden und dieser Schritt sie – aus welchem Grund auch immer – überfordert. Sie in den ersten Lebensjahren nach der Geburt zu begleiten, festigt ihr Elterndasein – und bewahrt die Rechte ihres Kindes.
Dieses Konzept baut auf der Überzeugung auf, dass die meisten Menschen über ausreichend Potential verfügen, ihr Leben zu meistern. Nur Menschen, die ohne Netz und ohne Unterstützung sind oder deren Beziehungen erschöpft sind, geraten eher in eine Krise.

Wir, vom Südtiroler Kinderdorf, stehen am internationalen Tag der Kinderrechte dafür ein, dass es präventive Schutzmaßnahmen für die Kinder in Südtirol gibt, deren Rechte bedroht werden. Wir wünschen uns vom Land Südtirol umso mehr in dieser Zeit des Umbruchs, dass es gelingt, den Blick darauf zu richten, was Kinder in der Not einer schwierigen Familiensituation brauchen. Denn Kinder haben keine Lobby.
Wir sehen in unserer sozialpädagogischen Arbeit, wohin dieser Mangel führt.