Was wird aus dem Thalhofer?

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Der Thalhofer Hof ist ein stattliches Anwesen aus dem 16.-18. Jahrhundert. Er ist bereits Ende des 16. Jahrhunderts urkundlich belegt und es findet sich Bausubstanz aus dieser Zeit. 

Er ist bereits Ende des 16. Jahrhunderts urkundlich belegt und es findet sich Bausubstanz aus dieser Zeit. Die Sanierung hat aus dem alten, stattlichen Gemäuer mit den Steinbögen über den Fenstern und der Eingangstür ein Kleinod gemacht. Auch wenn bei den Bauarbeiten ohne überflüssigen Aufwand vorgegangen wurde, sieht das Gebäude nun sehr herrschaftlich aus. Die Nutzung des Thalhofers wird den betreuten Kindern, Jugendlichen und Eltern zugute kommen.

Wie das Kinderdorf zum Thalhofer kam:

Anfang der 1990er Jahre beschloss die Vermögensverwaltung der Kurie, den Thalhofer-Hof zu verkaufen.

Die unmittelbare Nachbarschaft zum Kinderdorf und die finanzielle Unterstützung, über die das Kinderdorf damals verfügte, legte es nahe den Hof zu kaufen.

Das Südtiroler Kinderdorf war damals gerade in einer Phase des Ausbaus seiner Angebote. In den 90ern wurden Haus Rainegg, das TherapieCenter und der Montessori Kindergarten gegründet, es gab also Projekte mit Platzbedarf.

Man fürchtete andererseits, der Thalhofer könnte von einer Baufirma gekauft werden. Die unmittelbare Nähe zu einer Wohnsiedlung wurde damals aber als bedenklich gesehen. Außerdem war man gerade auf der Suche nach einem geeigneten Baugrund für eine Jugendwohngemeinschaft.

Nachdem dieses Projekt nicht realisiert wurde, gab es zwei Anläufe, eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Station im Thalhofer anzusiedeln. Mit dem TherapieCenter hatte das Südtiroler Kinderdorf bereits eine Terminambulanz geschaffen. Da es den Bedarf einer Station gab, versuchte man in diese Richtung einen Vorstoß. Allerdings ohne Erfolg; die Sanitätsverwaltung war nicht bereit, die Einrichtung in ihre Planung aufzunehmen, so wanderten die Ideen in eine Schublade.

Um den Thalhofer wurde es einige Jahre ruhig. Die Räumlichkeiten wurden von Bands als  Probelokale genutzt, ein paar ältere Herren nutzten die Räumlichkeiten als Möglichkeit sich zu treffen… bis 2005 die Entscheidung fiel, das Gebäude nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Es war zu baufällig, die Nutzung war gefährlich und nicht mehr vertretbar.

Behalten oder verkaufen? Eine Entscheidung steht an

2006 stellte sich dem Verwaltungsrat die Frage, ob der Hof wieder verkauft oder saniert werden sollte.

Wie konnten die 9 ha an Wald, Wiesen und ehemaligem Weinberg, und das historischen Gebäude, das bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht, dem Kinderdorf am besten dienen?

In einer Arbeitsgruppe aus Verwaltungsräten, dem pädagogischen Direktor und dem Direktor der Sozialdienste entstand die Idee, den Hof zu reaktivieren und die Landwirtschaft für die betreuten Jugendlichen zu nutzen.

Mit der Beratung von Dr. Dorfmann wurde ein Konzept für die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes erstellt.

Bei einem Besuch einer Einrichtung für tiergestützte Pädagogik in Niederösterreich („Esperanza“) überzeugten sich Verwaltungsräte und pädagogische Mitarbeiter des Kinderdorfes, dass ein Hof mit tiergestützten pädagogischen Aktivitäten eine tolle Chance für das Südtiroler Kinderdorf sein kann.

Nachdem geklärt war, dass es eine Perspektive für den Thalhofer im Südtiroler Kinderdorf geben konnte, fiel der Beschluss, den Thalhofer zu sanieren und nicht zu verkaufen.

Pläne um Pläne, was kommt heraus?

Nun ging es an die Planung und an die Finanzierung des Projektes. Dabei ergab sich mehrfach die Notwendigkeit, umzudenken.

Das erste Mal, als nach ausführlicher historischer Bauanalyse und einer ersten architektonischen  Planung fest stand, dass der alte Stall nicht reaktiviert werden konnte und es ein neues Stallgebäude brauchte.
Das zweite Mal, als sich aufgrund der vom Denkmalamt auferlegten Bauanalyse herausstellte, dass der erste Stock mit den historisch wertvollsten Räumen, getäfelten Stuben und der freskengeschmückten Halle, wohl nur für einen „öffentlichen“ Zweck geeignet war. Die sinnvollste Zweckbestimmung, die sich anbot war jene als Seminar- und Schulungsräume.
Die Kellergewölbe, die zunächst als Werkstatt für Jugendliche, eventuell auch für ein Schulprojekt angedacht waren, entpuppten sich als dermaßen attraktiv, dass sich im Lauf der Sanierung die Nutzung als Café, oder als Restaurant – nach Möglichkeit im Rahmen eines Sozialprojektes – als ideal herausstellte.

Unverändert blieb das Versprechen, dass ein Teil der Räumlichkeiten der Sozialgenossenschaft EFEU vermietet wird, die sich um Menschen mit Autismus kümmert.

Und das liebe Geld!

Nicht so einfach wie Ideen zu finden war es, entsprechende Geldmittel aufzutreiben.

Am Anfang hatte man noch gute Hoffnungen auf öffentliche Gelder:

Assessorat für Landwirtschaft und Denkmalamt würden mit Sicherheit den Bau unterstützen, zumal es sich beim Kinderdorf um eine soziale Einrichtung handelt. Doch die Illusionen zerplatzten bald. Gestartet war das Projekt ja 2007, als die Landeshaushalte noch zunahmen. Aber bereits 2009 gab es kein Wachstum mehr und es wurde absehbar, dass öffentliche Gelder nicht in dem Maße fließen würden, wie wir uns das erhofft hatten.

Sicher, das Landesdenkmalamt finanzierte die Restaurierung der Fresken und unterstütze die Wiederherstellung der getäfelten Stuben. Aber von den Erwartungen, man werde den Bau großzügig unterstützen, blieb nur ein geringer Teil übrig. Bei der landwirtschaftlichen Förderung war es noch schlimmer. Wir mussten feststellen, dass ein Sozialprojekt kein Anrecht auf landwirtschaftliche Förderung hat.

Der Verwaltungsrat beschloss also, Liegenschaften in anderen Landesteilen, die nicht betrieblich genutzt werden, in die Sanierung zu investieren.
In erster Linie war dies eine Obstwiese in Algund, für die es Interessenten gab und die durch ihre Lage im Siedlungsgebiet gut verkauft werden konnte.
Insgesamt erwies es sich als Glücksfall, dass sehr großzügige Gönner dem Kinderdorf Liegenschaften hinterlassen hatten, welche die Finanzierung des Bauvorhabens sicherten.

Nutzung

Die Tierpädagogik hat durch den notwendigen Bau des Wirtschaftsgebäudes den historischen Bau „verlassen“.

Vom Architektonischen war klar: diese Räume sind für Seminare und Workshops optimal geeignet. Das Südtiroler Kinderdorf steht seit Jahren für Innovation und Inspiration in der Sozialpädagogik. Seminarräume zu vermieten ist also eine Nutzung, die gut zu unserer Genossenschaft passt.

Sozialprojekte in Zusammenhang mit Gastronomie sind eine sinnvolle und seit Jahren bewährte Sache. Die beiden Aspekte: Seminarräume und Gastronomie zusammenzuspannen und ein Gesamtprojekt daraus zu schaffen, das wäre eine Idee, die dem Genossenschaftszweck des Südtiroler Kinderdorfes entspricht. Dies ist also die Richtung, in die wir arbeiten, damit dieses schöne Gebäude den betreuten Kindern, Jugendlichen und Eltern zugute kommt.

Kooperationspartner gesucht

Um im Thalhofer ein sinnvolles und erfolgreiches Projekt zu realisieren, das sowohl dem sozialen Geist der Genossenschaft entspricht, als auch Einnahmen generiert, mit denen die laufenden Kosten des Thalhofer Hofes gedeckt werden können, begeben wir, vom Südtiroler Kinderdorf, uns nun auf die Suche nach Kooperationspartnern und engagierten Menschen, die sich vorstellen können, gemeinsam mit uns ein Projekt auf die Beine zu stellen, das den hohen Ansprüchen und Wertvorstellungen unserer Organisation entspricht.

Bauuntersuchung
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